Psychische Anforderungen der Arbeit

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Die psychischen Anforderungen bzw. Belastungen spielen bei immer mehr Arbeitstätigkeiten eine zentrale Rolle. Wichtige Gründe hierfür sind der steigende Einsatz von Informations- und Kommunikationstechnologien, die beschleunigte Entwicklung von Produkten und Dienstleistungen sowie komplexere Aufgaben.

Und auch die negativen Folgen für den wirtschaftlichen Erfolg und die Leistung und die Gesundheit der Beschäftigten, die durch psychische Fehlbelastungen entstehen, sind eine Ursache für diese Entwicklung.

Daher sollten Unternehmen und Verwaltungen die psychischen Anforderungen und Belastungen bei folgenden Aufgaben systematisch berücksichtigen:

  • Der Beschreibung einer Arbeitstätigkeit
  • Der Auswahl von Bewerbern
  • Der Entwicklung ihrer Mitarbeiter
  • Der Führung ihrer Mitarbeiter
  • Der Leistungsbeurteilung
  • Der Entwicklung von Arbeitsprozessen und der Organisationskultur
  • Der gesetzlich vorgeschriebenen Gefährdungsbeurteilung

Systematisch bedeutet, dass die psychischen Anforderungen und Belastungen einer Arbeitstätigkeit mittels eines geeigneten Analyseverfahrens ermittelt und anschließend anhand bestimmter Kriterien bewertet werden.

Beispiele für psychische Anforderungen und Belastungen sind die Aufgabenvielfalt, die Vollständigkeit der Aufgabe, der Handlungsspielraum, die Verantwortung, die Qualifikation, die emotionale Inanspruchnahme, die Arbeitszeit, die Arbeitsintensität, Störungen und Unterbrechungen, Kommunikation und Kooperation, soziale Beziehungen zu Kollegen und Vorgesetzten.

Einige dieser Merkmale werden auch als Ressourcen bezeichnet: Bei diesen hat sich gezeigt, dass sie bei einer bestimmten Ausprägung dafür sorgen, dass Menschen trotz einer psychischen Fehlbelastung durch andere Merkmale leistungsfähig und gesund bleiben (Stichwort: Salutogenese). Beispielsweise schützen positive soziale Beziehungen bei der Arbeit vor psychosomatischen Beschwerden.

Auch Merkmale der Arbeitsumgebung wie physikalische und chemische Faktoren (z.B. Beleuchtung, Lautstärke, Temperatur, Gerüche), die Arbeitsplatzgestaltung (z.B. Bürogröße, Schreibtische, Farben, Pflanzen) sowie die Arbeitsmittel (z.B. Maschinen, Werkzeuge, Hardware, Software) können Bestandteil einer solchen Analyse und Bewertung von Arbeitstätigkeiten sein, da diese die Leistung und das psychische Befinden von Menschen ebenfalls beeinflussen.

Eine umfassendere Analyse und Bewertung zielt dabei auch auf die Wirkungen dieser Anforderungen und Belastungen auf den Menschen. Sie werden als Beanspruchung und Beanspruchungsfolgen bezeichnet, die zeitlich kurz-, mittel- oder langfristig auftreten. Einige dieser Wirkungen werden als positiv beurteilt, wie z.B. das Flow-Erleben, Arbeitsfreude, ein gutes Ergebnis, Stolz, Motivation, Kompetenz, Lernzuwachs, Zugehörigkeit zu einer Gruppe, soziale Anerkennung oder die Persönlichkeitsentwicklung. Andere Wirkungen werden als negativ erlebt, wie Anspannung, Angst, Ärger, Ermüdung, Monotonie, Fehler, Konflikte, Arbeitsunzufriedenheit, psychosomatische Beschwerden und Erkrankungen, Burnout, Suchtverhalten oder Fluktuation und Fehlzeiten.

Verschiedene Modelle und Methoden zur Analyse und Bewertung psychischer Anforderungen und Belastungen von Arbeitstätigkeiten sowie deren Wirkungen auf den Menschen stehen zur Verfügung. Unser Ansatz basiert auf wissenschaftlich fundierten, empirisch überprüften und computergestützten Verfahren.

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Hinweis:
Wir verwenden die Begriffe Anforderungen und Belastungen synonym und neutral (d.h. ohne Wertung im Sinne der DIN EN ISO 10075). Anforderungen bzw. Belastungen können demnach sowohl als positiv (Ressourcen, optimale Belastung) als auch negativ (Stressoren, Fehlbelastungen) betrachtet werden sowie positive oder negative Wirkungen (Optimale Beanspruchung, Fehlbeanspruchung) haben. Die Wirkung und Beurteilung einer psychischen Belastung hängt vor allem von deren Intensität, Dauer und der Kombination mit anderen Belastungen ab. Zudem beeinflussen die psychischen Merkmale eines Menschen diesen Prozess.

 

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