Studie: Narzissmuswerte zwischen Ost- und Westdeutschen

Abbildung: Unterschiede beim Persönlichkeitsmerkmal Narzissmus in Punktwerten (Messverfahren: NPI) zwischen Ost- und Westdeutschen (1025 Personen) für alle Befragten sowie in Abhängigkeit vom Alter der Personen zum Zeitpunkt des Falls der Berliner Mauer 1989. Graphik: Klemens Consulting.

Die Berliner Charité hat untersucht, ob zwischen Ost- und Westdeutschen Unterschiede in Bezug auf das Persönlichkeitsmerkmal Narzissmus bestehen. Dabei ergaben sich statistisch signifikant höhere Narzissmuswerte bei den Westdeutschen, die 1989 beim Fall der Mauer 19 Jahre oder älter waren.

Auch für diejenigen Westdeutschen, die damals zwischen 6 und 18 Jahre alt waren, zeigen sich höhere Narzissmuswerte im Vergleich zu der gleichen ostdeutschen Altersklasse. Kein Unterschied fand sich jedoch bei denjenigen, die bei der Wende 5 Jahre oder jünger waren. Die Autoren gehen davon aus, dass die jeweilige Kultur (individualistisch vs. kollektivistisch) der beide ehemaligen deutschen Staaten zu diesen Unterschieden führt.

Weitere Informationen finden sich in der folgenden Beschreibung, die sich stark an der englischsprachigen Zusammenfassung der Autoren der Studie anlehnt (Quelle unten):

Die Werte des Persönlichkeitsmerkmals Narzissmus sind in individualistischen Kulturen verglichen mit kollektivistischen Kulturen höher ausgeprägt. Jedoch ist die Wirkung soziokultureller Faktoren auf Narzissmus bisher nicht gut beschrieben wurden.

Deutschland war früher in zwei unterschiedlichen soziale System geteilt, jedes mit bestimmten wirtschaftlichen, politischen und nationalen Kulturen. Vor der Wiedervereinigung 1990 war Westdeutschland eine individualistische Kultur, wohingegen Ostdeutschland eine stärker kollektivistische Kultur besaß.

Die Wiedervereinigung bietet die außergewöhnliche Möglichkeit den Einfluss soziokultureller und generationsbezogener Unterschiede in Bezug auf Narzissmus zu untersuchen (und Selbstwirksamkeit; hier nicht berücksichtigt). Die Studie wurde mittels einer anonymen Online-Befragung durchgeführt um den sogenannten „grandiosen Narzissmus“ bei 1025 Deutschen zu erfassen (und dem „Pathologischen Narzissmus“, hier nicht berücksichtigt).

Die Daten wurden in Bezug auf das Alter und den Geburtsort analysiert und zeigen, dass der „Grandiose Narzissmus“ höher ausgeprägt ist bei denjenigen, die in Westdeutschland aufwuchsen verglichen mit denjenigen in der ehemaligen DDR Alte und bei der Wende 19 Jahre oder älter waren. Kein statistisch signifikanter Unterschied zeigt sich zwischen denjenigen, die nach der Wiedervereinigung (Alter ≤ 5 Jahre 1989) die Schule besuchten. In der mittleren Altersgruppe (6 bis 18 Jahre 1989) waren die Unterschiede jedoch wieder statistisch signifikant.

Die Daten der Studie weisen also daraufhin, dass soziokulturelle Faktoren einen Einfluss auf die Narzissmusausprägung von Menschen haben. Eine Beschreibung der Studie findet sich ebenfalls online unter den Nachrichten der Zeitschrift Wirtschaftspsychologie aktuell.

Quelle:
Vater A., Moritz S., Röpke S. (2018). Does a narcissism epidemic exist in modern western societies? Comparing narcissism and self-esteem in East and West Germany. PLoS ONE 13(1): e0188287.

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